Der Meister Sonja 3. IG 2019

Juni 28, 2020 Günther Plank

Schriftliche Arbeit zum 3. Inneren Grad an der Dao Schule Tirol.

Plank Sonja, März 2019, Si-Fu Günther Plank

Der Meister

Vorwort
Ich bin Sonja Plank. Ich habe mich vor vier Jahren für den Weg des Ausbilders an der Dao Schule entschieden. Habe mich vor mir, meinem Meister und Zeugen verpflichtet, das Feuer der Kampfkunst zu nähren, zu mehren und weiter zu tragen.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt frage ich mich wie ein Lehrer/Ausbilder/Meister zu sein hat, versuche durch „try ´n´ error“ meinen Weg als solcher zu finden und vertretbar zu gestalten.

Ich kann diese Frage nun an dieser Stelle erörtern und mich dabei auf gelesenes und selbst erlebtes berufen. Und für andere eventuell verständlicher machen worum es mir geht.

Ich habe mich dazu entschieden „den Meister“ als geschlechtsneutralen Titel zu gebrauchen, weiteres sind unter allem als männlich Angeführten auch alle weiblichen, sowie unter dem weiblich Angeführten auch die männlichen, gemeint.

Viel Freude beim Lesen, erfahren und erkennen.

Der äußere Meister

Als Meister wird ein Mensch bezeichnet der durch viel Arbeit und Übung zu Erfahrung und Geschick in seinem Fach kam, allerdings ist dieser Begriff bei uns für handwerkliche Berufe vorbehalten.
So beginnt wer ein Handwerk erlernen will eine Lehre.
Nach der Lehrzeit wird er zum Gesellen und danach zum Meister.
Ich vergleiche dies nun mit der Aufteilung der Programme von den Grundlegenden- (Basis-, Mittel- und Oberstufe), die in gewisser Weise die Lehrzeit darstellen, zu den Inneren Programmen, die das gelernte verfeinert und erweitern sollen, sodass nach der Gesellenzeit einer sich Meister nennen, oder als solcher bezeichnet werden kann.
Ab der Meisterstufe beginnt die eigentliche Arbeit. Der Mensch hat seine Fähigkeiten aufs feinste geschult und ist befähigt schwierige Aufgaben sauber und gewissenhaft zu lösen.

Jeder von uns begegnet im Laufe seines Lebens solchen Menschen.
Sie alle betreiben Kung Fu, harte Arbeit. Ob dies nun ein Bäcker ist der Brot bäckt, ein Maler der ein Bild malt oder ein Meister der Kampfkunst bei seinem Werke ist.

Doch was ist nun das Werk eines Kampfkunstmeisters?
Ist es das Weitergeben seines Wissens? …zum Teil sicher…
Ist es die Kampfkunst? …als Lebenskunst, gewiss, denn für den Kampf mit einem körperlichen Feind wird er sie nur mehr selten brauchen. Da sein Auftreten und seine Geisteshaltung eine Auswahl zum Gegner unwahrscheinlich macht.

Ich habe in meinem Leben bemerkenswerte Menschen kennen gelernt, solche die sich durch ihre Herzlichkeit auszeichnen, andere durch ihre Lebhaftigkeit, manche durch Disziplin, wieder andere durch Konsequenz, wenige durch ihren Sanftmut, andere durch ihr Bewusstsein oder ihre Ruhe…
Sie alle hatten Einfluss auf mich und waren Meister, hatten kleinere oder größere Teile ihres Selbst feinstofflich gemacht und an sich selbst gearbeitet.

Als äußere Meister bezeichne ich im Folgenden Menschen, die außerhalb von mir existieren und in mein Leben getreten sind (körperlich und/oder geistig) und durch ausreichend lange Beschäftigung mit einem Thema zu einer gewissen Einfachheit, Tiefe und/oder Einsicht gelangt sind.
Traditionell nimmt der Meister den Schüler in seine Schule/Werkstätte auf, nimmt ihn als Mensch hin und bleibt selbst die Person die er bisher war, unabhänig vom Schüler (sprich als eigenständige Person, die nicht gefallen muss). Der Schüler oder Lehrling wiederum darf sich nun beweisen und bei einfacheren Tätigkeiten einbringen.
Der Meister lebt nun vor, was seiner Meinung nach richtig und gut ist und fordert Respekt und Disziplin, Gehorsam und Loyalität. Sodass der Schüler seinem Weg treu bleibt und ihm vertraut, damit die nötigen Formungsprozesse beginnen können. Doch ist der Meister menschlich, wertfrei geschrieben.
Er ist eine Person die durch ihre Eigenarten und Voraussetzungen, körperlich wie geistig, historisch wie zukünftig ihren Weg geht. Darum glaube ich ist es schwierig einen passenden Meister zu finden, der vom Wesen und seinen Eigenarten zum Schüler passt, oder umgekehrt. Sodass eine Herz-zu-Herz-Verbindung entstehen kann. Damit der Schüler über einen längeren Zeitraum hin weg gewillt und motiviert ist, dem Weg des Meisters uneingeschränkt zu folgen.

Der äußere Meister gibt uns Aufgaben, die er für angemessen, wichtig und notwendig für unsere Ent-wicklung hält. Diese sind nicht immer angenehm… stimmt so nicht ganz ;), diese sind nie angenehm und einfach, denn der Lehrer ist an ausgeglichenem Wachstum interessiert und dadurch arbeitet er immer mit Schwächen, Mängeln und Defiziten. So kann der Schüler Richtung Ganzheitlichkeit wachsen. Wird aber auch im Willen und Charakter geschult und geprüft.
Als Schüler mag es sein, dass wir zweifeln, ob es das Richtige ist, was wir beigebracht bekommen, mögen wir uns fragen wozu dies oder jenes nun gut ist, sind wir kritisch wenn wir etwas verstehen und/oder fragen wollen, doch müssen wir auch vertrauen, dass der Meister für uns einen Weg wählt, der nicht nur gangbar sondern auch praktisch anwendbar und zielorientiert ist, und er uns durch jahrzehntelanges Training soweit vorausgegangen ist, sodass er weiß worauf es im jetzigen Moment in unserer Entwicklung an kommt.

Äußere Meister sind Quellen der Inspiration, Dinge zu tun, die bisher unbekannt waren, Ideen zu sehen die bisher verborgen lagen und den Anklang von etwas Größerem zu sehen das Teil eines jeden ist.
Doch haben sie mit unter auch Eigenheiten, die nicht ganz in die Erwartung passen, die auch ein Schüler in der heutigen Zeit mitbringt. Er will gelobt und anerkannt werden, nur mit dem Besten versorgt, von allem Unglück verschont, den einzig wahren Übungen beglückt und mit Fähigkeiten geradezu beschenkt werden. Dies mag zu Konflikten führen die gelöst werden wollen, so ist die, wie ich denke wichtigste, Eigenschaft, eines Meisters und auch eines Lehrers ist seine Authentizität. Nicht zuletzt dadurch, dass der Meister einst selbst diesen Weg des Schülers beschritten hatte und empatisch auf einen Schüler eingehen kann (natürlich nicht muss, je nach Situation). Dies alles neben der Überzeugung dessen, dass es richtig ist wie er handelt und es so beim Schüler zur überzeugung kommen kann. In diesem Sinne können auch arbeitsökonmische Schüler überzeugt werden, dass sich ihre Ergebnisse an der investierten Zeit messen und der Meister recht hat in seinen Angaben, oder sie lassen es bleiben aber auch dafür ist beim Meister Platz, es muss nicht jeder Schüler zu einem Wegschüler werden.

Scheut ein Meister es nicht einem Schüler klar vor Auge zu halten an was es ihm mangelt, was seine Fehler sind und auf welchem Holzweg er sich befindet, kann dies unweigerlich zu einer Kränkung der kindlichen Seite des Schülers führen. Doch bringt es ihn – wenn er bereit ist dies anzunehmen – unweigerlich auch auf einen Pfad der Selbstwirksamkeit, des Selbstvertrauens und des Bewusstseins für die Eigenverantwortung. Er wird aufhören andere für sein Glück oder Pech verantwortlich zu machen, seine eigene Position überdenken und selbst einen ungetrübteren Blick für Vorgänge in ihm erlernen und ehrlich zu sich selbst zu werden.

Kampfkunst als Lebenskunst

Also könnten wir fragen wieso überhaupt einen Meister aufsuchen und von und mit ihm lernen?
Nun, ein Meister ist eine gewisse Zeitabkürzung (Ja mit genügend Zeit mich einzulesen könnte ich herausfinden wie meine Heizung funktioniert und ich sie zur Not sogar reparieren kann), er bringt mich schneller und effizienter zu den Themen die für mich zur Entwicklung zum ganzheitlichen Menschen wichtig sind und kann aus der Erfahrung schöpfen für mich die passenden Übungen zu finden.

Ich möchte wieder an Hand der Kampfkunst erläutern.
Wir lernen im Training grundlegend unser Selbst zu schützen, Gesundheit zu fördern und mit Kräften zu arbeiten.
Kurz gefasst lernen wir anhand dieser Schwerpunkte:

„Im Selbstschutz geht es in erster Linie darum, mein Selbst zu schützen und selbst zum Macher zu werden. Das Selbstvertrauen, dass ich auch in einem Fall der körperlichen Auseinandersetzung die Oberhand behalte und mich verteidigen kann, hilft Ängste abzubauen und agil in einer Notsituation zu bleiben. Wobei durch Schulung des Richtigen Auftretens die Wahrscheinlichkeit letzter genannter auf ein Minimum reduziert wird.
Die Kampfkunst, aber noch mehr das Qigong, hält uns dazu an uns mit unserem Körper, seiner Geometrie, seiner Energie auseinander zu setzen. Wir erlernen eine völlig neue Zusammenarbeit mit uns selbst und sich daraus ergebend auch mit unseren Trainingspartnern.
Die Waffenarbeit stellt eine Erweiterung der waffenlosen Kunst dar. Obwohl jede Waffe verschieden ist, lebt jede doch von ihren Stärken. Sie lehren uns noch mehr als andere Bereiche der Kampfkunst hinter etwas zu stehen, Respekt, Demut und Ehrfurcht vor der Macht, dem Leben und dem Tod.“

Wie ist also Kampfkunst als Lebenskunst zu verstehen?
Anfangs (zugegeben als eine Möglichkeit ;)) arbeiten wir im Training für den Selbstschutz (mögliche andere Ziele: Kampfkunst, Einklang,…), doch je weiter wir den Weg gehen und je intensiver wir uns damit beschäftigen, umso mehr bestärken Ereignisse um uns, dass wir für unser ganzes Leben gelernt haben/lernen. Durch unser selbstsicheres Auftreten und unsere Arbeit mit Energien wird die Anzahl derer die uns als Opfer oder Gegner sehen immer geringer, die Notwendigkeit für eine körperliche Selbstverteidigung auch, wenn auch durch unser sozial flexibles Handeln (Ausstiegsmethoden aus der Gewaltspirale) die Dringlichkeit der Selbstbehauptung weniger wird, bleibt nur mehr der Selbstschutz, welcher im Kopf beginnt und bei der Frage: „Was ist das Selbst?“. Zum Teil ist die Lebenskunst sicher damit beschäftigt, alle nicht zum Selbst gehörenden Angewohnheiten und Prägungen aufzuzeigen und abzulegen.

Der Meister tritt dabei an eine entscheidende Schlüsselposition.
Früher wurden innere Schüler in das Haus des Meisters geholt und wohnten mit ihm unter einem Dach. Sie wurden so Teil der Familie und lernten nicht nur die Kampfkunst, sondern auch die Alltagsphilosophie, Gebräuche und Gepflogenheiten. Dies führt zu einer Veränderten Wahrnehmung des Schülers. Einem neuen Blickwinkel auf sich selbst und seinen Standpunkt in der Gemeinschaf, sowie seinen Ideen und Überzeugungen. Er erweitert sein selbst, legt ab was nicht seinem Selbst entspricht, so erkennt er durch die Nähe zum Meister (ob nun als ermahnender Vater oder in der Rolle des Vorbildes in der sich der Schüler selbst erkennt) früher wo er aufhört er selbst zu sein und zB. anerzogene oder erlernte Muster des Verhaltens aufruft, die ihm eigentlich nicht entsprechen.
Mein Meister ist mir in dieser Hinsicht Lehrer für verschiedene Inhalte.
Er geht seinen Weg und es liegt an mir ob ich folgen möchte, daraus ergibt sich eine intrinsische Motivation. Solange ich lernen will, bestimmt er den Weg. In unserem Training wird im Laufe der Zeit jedoch das Mitspracherecht eines jeden Schülers mehr und Entscheidungen, Ideen, Veränderungen werden im inneren Kreis besprochen, diskutiert und adaptiert, wobei Si-Fu (der Meister, väterlicher Lehrer) die letzte Entscheidungsinstanz darstellt.

Ein paar Auszüge aus fast zehn Jahren Erlebnissen und Lehren von Sifu Günther:
Er ist ein Macher. Sobald etwas zu tun ist wird es getan. Er legt großen Wert darauf die Dinge zu ihrer Zeit zu tun. Nicht zu früh und nicht zu spät, rechtzeitig eben. Sei dies nun in der Kampfkunst, wo er den Schüler in der Übung dort abholt wo er ist, im Waffenkampf, wo er mit den Zeiten des Vor, Indess, Nach im passenden Timing auf einen Angriff entsprechend antworten kann, oder im Haushalt wenn Sanierungsarbeiten, Steuerausgleich oder ein Einkauf anstehen.
Er steht hinter Aussagen, Zusagen und Prinzipien. Wenn er etwas sagt meint er es auch so. Er hält uns dazu an auf unsere Wortwahl zu achten, um das zu sagen was wir sagen wollen. Dies ist zugegebenermaßen nicht die einfachste Anforderung, denn wir verwenden und verstehen eben das worauf wir konditioniert sind und hier einen Schritt zurück zu gehen und uns selbst dabei zu beobachten was Worte in uns auslösen und wie wir sie selbst verwenden ist eine sehr große Herausforderung.
Zuhören. Er ist wohl einer der wenigen die immer ein offenes Ohr für Mitmenschen haben, wenn sie es brauchen. Er nimmt sich (zumindest wenn die Mühe nicht vergeblich scheint) die Zeit darüber nachzudenken und Vorschläge und Richtungen zu weisen, die vorher nicht im Raum gestanden sind.
Bei sich selbst bleiben. Er schafft es trotz widriger Umstände bei sich selbst zu bleiben, sich nicht in die Emotion des anderen hinein reißen zu lassen und sogar noch auf humoristische Art damit umzugehen. Er nimmt auch im Training die Energien auf verschiedene Arten und lernt uns verschiedene Herangehensweise an Problemstellungen, die sich alle im Übertragenen Sinn auf Alltagssituationen umlegen lassen. Kann aber auch rigoros durchgreifen und sich durchsetzen, wenn er es für angemessen hält.
Er lebt alles ist Eins. Wir alle befinden uns auf dem Weg (des Lebens). Wenn wir einmal dieses Bewusstsein erlangt haben wird alles einfach. Wenn aus einem Fauststoß viele verschiedene Arten einen Fauststoß zu machen werden und danach alle wieder nur ein Fauststoß sind, ist die Erklärung der Welt nicht mehr viel weiter weg…

Ein anderer Meister der mir von Anfang an, mit seinem Weg gezeigt hat, was möglich ist, hat mir die Augen geöffnet für bewusste Ansteuerung der Körpers. Ist Sifu Franz.
Er bewegt sich mit einer Anmut, Erhabenheit und Schnelligkeit, die mich von ersten Moment an fesselten und dazu führten, dass ich mir dieses Bewegungsbewusstsein selbst erarbeiten möchte.
Er verfügt über ein Einfühlungsvermögen und Sanftmut bei doch klarer Struktur, diese spiegelt sich in all seinen Übungen und Aufgaben wieder. Er kann zwischen Einfühlsam und Bestimmt reibungslos switchen sodass es der Grundphilosophie des Selbstschutzes entspricht.
Die Take-away-message: „Wenn etwas passiert was ich nicht mag, kann ich klare und eindeutige Worte, Gestik und Mimik wählen um dies aus zu drücken.“
Die Demut, die er vermittelt. Er lässt uns immer wieder daran Teil haben demütig und mit Respekt anderen, sich selbst und der Welt entgegen zu treten. Er lebt es in der Kampfkunst und der Musik vor.

Wie geschrieben ist es möglich mehr als einen Meister zu haben.
Meist wird sich jedoch, so sich eine passende Konstellation aus Meister und Schüler gefunden hat, der Großteil des zu Lernenden auf einen Meister beschränken, allein schon aus der Problematik der Dreidimensionalität unserer Welt, wird sich der Schüler nicht Teilen können um gleichzeitig von zwei Meistern zu lernen. Nicht in der Tiefe die ich mir vorstelle. Allerdings, je weiter ich meinen Weg gehe umso leichter fällt es mir Menschen zu erkennen und ihre Besonderheit wahr zu nehmen. Und somit schneller ihren meisterlichen Anteil zu sehen und von ihm zu lernen.

In jedem Menschen steckt die Anlage zum Vorbild, zur Inspiration und zum Meister zu werden. Die wenigsten jedoch nutzen diese Anlage und noch weniger in wirklich umfassenderer Weise.
Natürlich ist wie bereits erwähnt jeder dieser Meister ein Mensch, hat seine individuellen Grenzen und Eigenheiten. Somit ist keine der vorher genannten Eigenschaften zu verallgemeinern und ist immer zu 100% in jeder Situation zu gegen, trifft aber dennoch in sich geschlossen zu und bildet das Fundament des inneren Meisters.

Innerer Meister
Drunter verstehe ich das Bild von mir in meinem Inneren, dass ich mir zum Zwecke der Motivation und Inspiration von mir selbst schaffe. So wie ich Leben und sein möchte. Eine Idee auf die ich mich in schlechten Zeiten selbst berufen und in guten Zeiten immer etwas mehr nach ihr Leben kann.
Als Ideen und Vorlage dienen meine äußeren Meister. Jeder dieser Menschen hat einen Abdruck in mir hinterlassen, ein Echo das durch mich und in mir Resonanz findet. Eigenarten, Ideen, Verhaltensweisen, kurz gesagt Teile seiner Persönlichkeit die mich ansprechen und die ich für mich auch Leben möchte.
Für einen jeden selbst sind die Fragen
„Wie will ich sein/werden?“
„Wer will ich sein/werden?“
zu stellen. Und zu beantworten ;)…

Menschen die wir kennen, vielleicht auch so genannte Alltagshelden, dienen uns als Inspiration. Ermöglichen uns über uns selbst hinaus zu wachsen und uns zu veredeln.
Wir beobachten ihr Handeln und sind dadurch auf eine gewisse Art und Weise bewegt, die uns motiviert selbst so zu handeln, mehr so zu werden wie diese Person, Dinge (materiell wie immateriell) so zu sehen wie wir es vorher nicht bewusst taten.

So erschaffen wir ein Bild von uns selbst in uns, hinterfragen vielleicht den einen oder anderen Grundsatz/das eine oder andere Verhalten den/das wir als Kind gelernt haben und werden so nach und nach erwachsen. Übernehmen Verantwortung für unseren Körper, unser Denken und unser Handeln.
Wir können an unserem Verhalten arbeiten, Wert darauf legen es zu ändern, ist es eigentlich nur eine Entscheidung die wir treffen müssen. Los zu lassen von trägem, selbstbemitleidendem und selbstzerstörerischem Denken und Handeln. Je mehr wir an etwas festklammern, wie wir sein müssen oder etwas anderes sein soll, umso schmerzlicher und unerträglicher wird unser Sein mit uns selbst und umso unausstehlicher werden wir in Gemeinschaft mit anderen.

Ich möchte nun an dieser Stelle meinen Inneren Meister erörtern.

Er fordert mich auf, bittet mich, stellt sich als Möglichkeit zur Verfügung, immer etwas mehr zu werden wie ich gerne bin, mich wohl zu fühlen mit mir selbst, mich stark zu fühlen, mich in mein Leben ein zu fügen. Er ist ein größeres Bild meiner selbst und stellt den Platzhalter zwischen meinen geistigen Vorstellungen und vergangenen Erlebnissen mit meisterlichen Menschen (die Gesamtheit aller Meister würde ein Bild des ewigen Meisters darstellen und das gesamte Potential der Menschheit umfassen) und dem was ich bin dar. Es ist das bildliche Potential das er darstellt, welches ich wahrnehmen, aber vielleicht noch nicht zur Gänze umsetzen kann. Ich aber bin bestrebt mir diese Eigenheiten als Teil meines alltäglichen Auftretens ein zu verlaiben.
Er lebt Geduld und Harmonie. Ist Nachsichtig mit seinem Körper und dessen Beschränktheit in der Zeit, ist bestrebt immer im Ausgleich zu Leben.
Kann die Einheit aller Dinge zu jedem Zeitpunkt fühlen und sich zwischen ihnen und im Fluss des Dao bewegen.
Er ist diszipliniert. Aufgaben, die gestellt sind, löst er mit energieeffizientem Einsatz, der nötigen Konzentration und Ernsthaftigkeit. So auch, wenn es um das Erlernen neuer Inhalte geht, die nicht zwingend nur der Kampfkunst entstammen.
Er nimmt das Leben leicht. Positives wie negatives bewegen ihn nur oberflächlich, er steht mit und bei sich und um ihn herum geschieht was geschieht.
Er kann Schüler konstruktiv auf Defizite hinweisen, sodass ein gemeinsames Ganzes entstehen kann. Der Schüler wird auf seine Mankos aufmerksam gemacht, doch auf eine Art die nicht sein Wesen verletzt, stattdessen kann er offen mit dem Feedback arbeiten und erspart sich sehr viel Mühe und Zeit.
Er lebt als Beispiel vor.
Hält sich ordentlich, gepflegt, anmutig und schön. Doch ist Kung Fu eben harte Arbeit und diese scheut er nicht.
Er ist erhaben und anmutig, achtet auf jede Bewegung in jeder Zeit seines Lebens. Jeder Tritt und Schritt, jede Bewegung der Hände, jedes Lächeln und jedes Wort soll den Grundlagen der Demut, des Respekts, der Erhabenheit und der Gleichheit unterstellt sein.

Dies zu meinem Inneren Meister. Diese Auflistung stellt keinen Vollkommenheitsanspruch, noch kann sie sich nicht verändern, wachsen oder vereinfachen. Es handelt sich lediglich um die Punkte die mir als wichtig erschienen sie aus meinem Kopf auf Papier zu bringen.

Nachtrag zum ewigen Meister
Das Dao steht für den großen Weg, der ewige Meister für das Meisterliche in all seinen Facetten.
Kein Mensch kann jemals alle Facetten des Dao abdecken, jeder kann nur seinen Weg gehen. So ist der ewige Meister eine Vorstellung, die Summe aller meisterlichen Aspekte und aller Meister in unserer Welt, eine nie endende Liste die immer einem Wandel unterworfen ist…
Es ist unmöglich die Unendlichkeit greifbar zu machen und zu erfahren, doch wie der menschliche Geist fähig ist auch das Unendliche zu benennen und zu umschreiben, kann er in selber weise auch mit dem Dao und mit einem Meister tun.

Der ewige Meister ist ein immerwährendes Vorbild. Zu dem sich ein jeder von seinem Standpunkt aus bewegt, sodass sie gemeinsam erst alle Möglichkeiten die es gäbe abdeckten.
Demnach ist jeder innere Meister ein Splitter des Spiegels in dem sich das Bild des ewigen Meisters reflektiert.

Nachwort

Es war für mich sehr spannend und für die Reflexion sehr aufschlussreich diese Arbeit zu schreiben. Es ist fast schon schade, dass ich sie in doch sehr kurzer Zeit geschrieben habe, denn alleine das Beschäftigen mit dem Thema und meinem inneren Meister haben mir etlicher Versäumnisse aufgezeigt und dadurch habe ich nun Gelegenheit weiter an mir zu arbeiten.
Dank sei an dieser Stelle gesprochen.
An meinen Si-Fu. An Sifu Franz. Und ALL die großen Meister (damit seid ihr alle gemeint ;)) in deren Fußstapfen ich heute stehen darf, denn so viele sind diesen Weg gegangen, manche Spuren hat die Zeit bereits geschluckt, doch waren sie und sind somit Teil des Weges…

„…denn jede Blüte… – das bin ich…“

Sonja Plank