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Der Weg Schritt für Schritt – 2. IG Sonja 2016

Zum zweiten Inneren Grad ARTMA
an der Dao Schule Tirol

Arbeit: Schritt für Schritt
Schülerin: Sonja Kössler
Unter der Leitung Sifu Günther

Zum 17.August 2016

In tiefer Dankbarkeit zu allen die mich auf meinem Lebensweg begleiten und inspirieren und die ich Lieben darf.

Der Weg
Schritt für Schritt

Einleitung:
Ich möchte in dieser Arbeit meine Erkenntnisse und Einsichten in das Leben als solches mit dem Leser teilen.
Es geht mir dabei darum dem Interessierten zu vermitteln auf was es meiner Meinung nach beim Leben als Mensch (oder als Wesen in einem menschlichen Körper) ankommt.
Weiters auch darum auf was als solche Lebensform wert zu legen ist und zum Teil darum was in unserer Gesellschaft derzeit fehlgeleitet und vom natürlichen Zustand entfernt ist.
Ich bediene hierfür der Sprache und dem geschriebenen Wort.
Demnach handelt es sich um eine zeitliche Folge, die immer nur beschränkte Dimension, Richtigkeit und Genauigkeit aufweist.
Auch bin ich mir sicher in einiger Zeit diese Texte überarbeiten zu können und in jedem der genannten Bereiche selbst dazu gelernt zu haben, denn das Leben ist ein Fortschreiten und sich ständig verwandeln.

Zur Idee für diese Arbeit und Auseinandersetzung mit dem Thema:
Ich erhielt den Vorschlag für diese Arbeit von Sifu Günther im Zuge meiner voreiligen Meldung, wann ich mit der Arbeit beginnen dürfe. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade ein halbes Jahr mit meinem „neuen“ Programm zu Gange, das entspricht einem „Neuling“ in nahezu jeder Beschäftigung.
Damals sagte er zu mir ich solle erst lernen die Dinge Schritt für Schritt zu tun und mir darüber eine Arbeit überlegen.
Jetzt, nachdem ich einen Motorradunfall hatte und als Konsequenz halbseitig Gelähmt war, erscheint mir dieses Motto bei allen Dingen die ich neuerlich erlernen muss.
Sei es das Gehen, Stehen, Essen oder Schwimmen.
Ich erlerne im Zuge dessen eine unendliche Dankbarkeit meinem Körper gegenüber und auch zu allen Personen die mir in dieser Zeit beistehen.
Der Welt gegenüber, dass ich noch weiter Teil sein darf. Sowie zu dem Essen, welches sich für mein Überleben opfert.
Und auch gegenüber dem Tod, wäre er mir nicht so nahe gekommen hätte ich diese Sicht nicht gelernt. Gleichfalls auch dem Leben, hätte es mich nicht gehalten, könnte ich nun nicht darüber schreiben.
Ich fühle mich nicht mehr als ein Lebewesen auf dieser Welt, sondern als Teil von ihr. Ich sehe mich in allem und ich sehe alles in mir. Mein Körper wird, wenn seine Zeit gekommen ist, andere ernähren und die Energie zurückgeben. Doch bis dies so weit ist gehe ich den Weg der mir bestimmt ist, Schritt für Schritt…

Über den Weg als solchen

Alles was ist befindet sich auf einem Weg.
Als Folge der Zeit sind wir darauf beschränkt Ding nacheinander zu erleben. Dies Trifft auf alles zu das Existiert.
Den Gesetzten von Jin und Yang folgend muss allerdings alles Endliche eine Unendliche Komponente aufweisen und umgekehrt. Somit liegt in allem was Existiert ein Funke Unsterblichkeit.
Und im Unsterblichen auch etwas Zeit, der Weg von Erfahrungen und somit Endlichkeit.
Mit dem Erlernen einer Kampfkunst wird dies deutlich. Sie befasst sich direkt mit dem Tod und dem Beenden von Leben. Allerdings auch genau mit dem Gegenteil, so erlernt ein Schüler auch seinem Gegenüber möglichst wenig Schaden zu zufügen und ihm dennoch überlegen zu sein und ihn zur Not zum Beenden seiner Aktion zu motivieren.

Gehen wir etwas näher auf den Menschen als Teil der Zeit ein.
Wir sind anfangs zwei Zellen im Körper unserer Mütter. Diese verschmelzen und bilden ein von der Umwelt durch eine Zellmembran isoliertes Lebewesen, welches sich seinem inneren Plan nach entwickelt und wächst. Das „Außen“ wirkt allerdings immer auf uns ein. So bekommen wir die energetische und stoffliche Versorgung durch unsere Mutter gestellt, sind aber gleichzeitig auch den Schadstoffen ausgesetzt welche sie bewusst oder unbewusst in sich aufnimmt. Diese Stoffe haben Einfluss auf unsere Entwicklung.
Wir werden dann von unseren Müttern geboren, sind körperlich je zur Hälfte genetische Nachkommen unserer Eltern. Von der Umwelt durch die Haut und Sinne getrennt und verbunden.
Am Anfang sind wir auf Hilfe angewiesen. Unsere Körper erledigen die grundlegendsten Funktionen selbst und unsere Seelen finden sich langsam ein.
Wir beginnen das „Blatt“ unseres Lebens zu beschreiben und uns den Körper zu Eigen zu machen, die Sinne zu erfassen und ihn nach unserem Belieben zu bewegen.
Dies erfolgt nach und nach. Die Bewegungen werden gezielter und genauer. Aus Liegen wird Krabbeln, daraus Stehen und darauf folgt Gehen. Bevor Laufen und Radfahren erlernt wird, oder was immer dann kommen mag.
Würde der erste Schritt nicht gemacht käme nie etwas Anderes als Liegen zu Stande.
Der Mensch ist auf ständiges Lernen angewiesen. So sind bereits zu Beginn des Lebens alle Voraussetzungen für Lernen körperlich angelegt.
Die Neugierde und das Interesse an der Welt sind vorhanden und Botenstoffe im Körper lösen bei einem Versuch (von zB. Krabbeln) Glücksgefühle aus. Wenn der Versuch scheitert (was bei den ersten Versuchen normal ist und im erwachsenen Alter oft zur Ausrede und zur Aufgabe des weiteren Bemühens wird) wird eine neuronale Kaskade ausgelöst, die zum neuerlichen Versuch motiviert um auf das selbe „Glücksniveau“ von „ich starte einen Versuch“ zu kommen.
Der Wille zu lernen ist auch Grundlage der Kampfkunst. Der Schüler ist sich seines Lernbedarfes mehr oder weniger bewusst und möchte sein Verhalten, seine Haltung oder Einstellung ändern. Mit dem Versuch und der Beschäftigung damit ändert er sich langsam und Schritt für Schritt.

Wir wachsen so weit in unserem Körper und mit dem von unseren Eltern gegebenen Namen, bis sich das Wesen damit identifiziert.
Mit der Zeit und der Sprache erhalten die Dinge Namen und das „Ich“ entsteht.
Ich beginne zu denken, den Verstand und die Logik nutzend, die Welt zu kategorisieren und zu analysieren und das Gefühl des Getrennt-seins wächst.
In der Kampfkunst bekommen am Anfang des Lernprozesses auch alle Dinge einen Namen.
Dies ist eine TaanSao (Handfläche-oben-Hand), dies eine BongSao (Schwingen-Arm) und jenes der IRAS (Zeichen-Zwei-Stand). Wir lernen mit diesen Begriffen Positionen und Funktionen, können sie aber noch nicht klar trennen und bewusst verwenden. Es ist mein Arm und Ich, doch wir sind noch nicht eins. Wir sind getrennt.

In der kindlichen Entwicklung wird die Abhängigkeit von den Eltern (vor allem zur Mutter) weniger und die Basis für die Selbstständigkeit entsteht.
In der Kampfkunst wäre dies die Zeit in der Schüler selbst (mit sich oder ihren Brüdern und Schwestern) die Kunst üben und ausprobieren. Eigene Erklärungen finden und nicht mehr nur auf den Sifu (väterlicher Lehrer) angewiesen sind.

Beim Kinde kommt bald ein Gefühl und Verständnis für die Zeit hinzu. Ich lerne was „Gestern, Heute und Morgen“ bedeutet. Bis Ich erfasse eines Tages auch „erwachsen“ zu werden und eines Tages zu sterben.
Die Kinder beginnen Fragen zu stellen die ihre Herkunft, ihren Körper (oder Körper generell) und die Welt betreffen. Sie sind neugierig und wollen ein sachliches Bild erlangen.
Auch hier lässt sich leicht ein Zusammenhang zur Kampfkunst herstellen. Wenn wir uns eine Zeit lang einer Kampfkunst widmen werden „Neue“ anfangen und wir erkennen was wir bereits gelernt haben. Gleichzeitig wird unser Sifu selbst dazu gelernt haben so dass unser Weiterlernen im Vergleich zu ihm gleich geblieben ist. So erkennen wir: Wenn wir in eine Sache Zeit investieren werden wir besser.

In der westlichen Gesellschaft setzt bisweilen etwas ein, das wir als „Erziehung“ benennen. Diese stellt eine mehr oder weniger zwingende Formung des Kindes dar, damit sie später als funktionierende Teile der Gesellschaft, vermeintlich problemlos (?) und glücklich leben können.
Doch Kinder erfassen die Welt noch anders als die meisten Erwachsenen.
Sie werden mit den Persönlichkeiten der Erwachsenen konfrontiert. In unseren Breiten mit einer Welt in der wenig Verbundenheit und Ausgleich existiert.
Kinder (aber auch Jugendliche und zum Teil Erwachsene) lernen und erkennen zum einen an dem was sie vorgelebt bekommen und zum andern selbst versuchen dürfen.
So ist auch für gemeinsames Training eine gewisse Form der Sozialisation/Erziehung wichtig. Da sich allerdings meist um bereits erwachsene Menschen handelt die bereits eine gewisse Form dessen erlebt haben, kann die Brücke leichter oder schwerer zu erschaffen sein. In kurzen Zügen erklärt: Wir wollen gemeinsam besser werden. Dafür trainieren wir langsam, sorgsam und mit relativ wenig Verletzungspotential. Wir wollen im Training nicht mehr Verletzungen davontragen als uns jemals auf der Straße passieren werden. Dies ist für Menschen mit einschlägigem Hintergrund nicht leicht zu bewerkstelligen.

Zurück zur Erziehung. Auf Österreichs Boden (dies ist der Einzige von dem ich wirklich aus Erfahrung sprechen kann) ist dies sehr viel von Angst gekennzeichnet und trägt somit zu der Angst und Unsicherheit eines Kindes bei.
Viele Missgeschicke und Unfälle passieren, weil die Eltern die Möglichkeit dazu in den Raum stellen. So ruft eine Mutter: „Pass auf da kommt eine Treppe“, als das Kind nach oben springen will. Das Kind hört die Stimme und dreht sich um und fällt mit dem restlichen Schwung die erste Stufe nach oben.

Kinder lernen sich unentwegt Gedanken zu machen, ihre Eltern tun es ja auch. Die Folge ist eine unaufhörliche Aneinanderreihung von Möglichkeiten, Abwägungen, Kalkulationen und Wünschen mit Was-wäre-Wenn Vorstellungen. Und erschwerend kommt eine unzureichende Erfüllung der einfachen Bedürfnisse wie Aufmerksamkeit und Liebe, denn die Eltern sind meist körperlich nicht anwesend, weil in der Arbeit, mit ihren Gedanken wo anders und/oder mit den Gefühlen in einer Spirale des Verzagens und der Ohnmacht gefangen, hinzu.
Und diese tragen nicht zur Entwicklung einer gesunden und selbstbewussten Persönlichkeit bei.
Natürlich sei hinzugefügt, dass auch durch dieses Leiden eine Notwendigkeit zur Entwicklung entsteht und so auch erfolgt (erfolgen kann).
In unserer Gesellschaft wird dieses Defizit allerdings meistens betäubt und verdrängt und dadurch an die nächste Generation vermacht.
Durch körperliche Betätigung und dem Erlernen der eigenen (körperlichen wie geistigen) Grenzen, so wie es in der Dao-Schule-Tirol geübt und gelebt wird, können die Defizite ihre Wichtigkeit verlieren und eine klare Abgrenzung der Vergangenheit und den Vorstellungen anderer erarbeitet werden. Und somit das Individuum in seiner Einzigartigkeit existieren und die Liebe und wenn man so will den Wert in sich finden.

Eine Gesellschaft folgt der Vorhergehenden. Lernt an ihrem Vorbild und kann ohne eine Hinterfragung auch so enden.
Weiters ist es dem Individuum eher durch Zufall (oder Lebensgeschichte) in die Wiege gelegt sich über das europäische Modell zu entwickeln. Und die eigene Persönlichkeit zur Reife zu bringen.
An dieser Stelle sei auf Die Erziehung des indigenen Volkes der Yequana (siehe Literaturverzeichnis) verwiesen:
Auszug und Zusammenfassung:
Dieses indigene Volk lebt ohne Angst um seine Kinder. Sie vertrauen in deren angeborenes Wissen um Gefahren und die Kleinen lernen aufgrund von Eigeninitiative und am passiven Vorbild. Einfache klare Grenzen (zb. Eigentum) sind von Anfang an Bestandteil des Lernprozesses.
Die Kinder sind sehr bald alleine Unterwegs und erleben ihr Dasein im Dorf selbstständig. Allerdings mit dem Wissen sich für wichtige Bedürfnisse an die Eltern wenden zu können.

Zurück zu der Grundidee des kindlichen Lernens (in Österreich):

Kinder kommen in die Schule in einer Zeit in der das Lernen in Form des Spürens im Vordergrund steht. Damit einher geht das Lernen im Sinne des körperlichen „Greifens“, sprich des „Begreifens“.
Dieses Lernen erfasst mit mehr Sinnen, als dem geistigen Verstand, was es umgibt. Da unser Gehirn eben auch diese Information verarbeitet lernt es vielschichtiger und schneller.
Es kommt zur Wiederholung des Gelernten mit positivem Feedback, und zur Steigerung der Lernkurve, denn Fehler der vorherigen Versuche können vermieden werden.
So auch im Erlernen und Üben von ARTMA wir können „Fehler“ nicht länger negativ behaften. Sie sind notwendig um beim nächsten oder übernächsten Versuch etwas dazu zu lernen.

Wenn also die Umwelt uns direkt zurückmeldet was an unserer Vorgehensweise passend und was unpassend war ist der Lernerfolg größer. Das Problem an unseren Schulen entsteht, wenn Kinder, die noch im Begreifen lernen, konfrontiert werden mit abstrahiertem Lehrstoff bzw. wenn der Zusammenhang zwischen Lehrstoff und direktem Interesse/Begreifen nicht hergestellt wird.
Kindern wäre also geholfen, wenn sie anhand von praktischen Fragen und Dingen, die sie in die Hand nehmen können, lernen.
Sobald das Interesse geweckt ist kommen tiefer gehende Fragen und weiter reichende Assotiationsketten von selbst.
Aber nicht nur das stellt ErzieherInnen wie auch Kinder vor eine Herausforderung. So sollen die Kinder Kontrolle über ihren Bewegungsdrang erlernen, soziale Kompetenz entwickeln und fachlich wie inhaltlich Lernen lernen. Ersteres (in Zeiten von Computern und Handys) ist zunehmend unwichtiger, wo hingegen Zweiteres (genau deshalb) an Wichtigkeit zu nehmen würde.
Auf was in vielen Fällen jedoch nicht genügend Wert gelegt wird. Viele LehrerInnen sind mit der (zunehmenden) Unausgeglichenheit und Konfliktbereitschaft ihrer Schüler überfordert. Werten allerdings auch spielerische Auseinandersetzung oft falsch und verbieten diese (oder wissen nicht um deren Wichtigkeit und richtige Umsetzung).
So erfolgt auch das soziale Lernen bei Kindern über das Fühlen, den Körper und die direkte Interaktion.
Es ist im Tierreich normal, dass sich Junge (besonders bei Carnivoren) balgen (oder raufen).
Sie erfahren dadurch ihren Körper, was schmerzt, legen ihre Grenzen und Rangordnung fest und lernen sich im Sozialgefüge zu verhalten. Sie achten darauf die Schmerzen bei sich selbst und den anderen gering zu halten. Sie erreichen dadurch auch eine Schulung ihrer Fähigkeiten.
Wenn eines allerdings zu weit geht (und körperlicher Schmerz zugefügt wird) wird sehr schnell und lauthals Protestiert und ein Stopp erzwungen. Welches respektiert wird, worauf das Raufen weiter geht ohne Schuldzuweisungen und Nachtragungen.
Auch kann jedes, ohne Letztgenanntem ausgesetzt zu sein, das Spiel verlassen.
Sie versuchen auch hin und wieder die bereits Ausgewachsenen zum Raufen zu bewegen, worauf diese mit gelassenem Spielen oder entschiedener Ablehnung reagieren. Im ersteren Fall geht es dem Erwachsenen nicht um das Gewinnen und nicht darum zu beweisen der Stärkere zu sein, dies ergibt sich aus der bloßen Tatsache, dass es so ist. Auch die Kleinen wollen nicht gewinnen und nehmen das Unterlegen-sein als Gegeben hin, doch sie wollen trotzdem spielen und sich messen. So entsteht ein gemeinsames Tun das zum Wohlbefinden und Vertrauen beiträgt.
Will das erwachsene Tier nicht mitspielen, oder ist das Jungtier zu grob, erfährt das Kleine eine klare Ansage mittels Laut und Verhalten.
So sollte es sich meiner Meinung nach bei Menschen auch verhalten. In schulischen Einrichtungen wird es komplizierer durch die Sprache und die bereits aus dem Elternhaus mit gebrachten Erfahrungen. Doch auch wenn die Lehrperson nicht mitspielen möchte kann sie durch klare Regeln und dem Beharren auf Fairness, das Spiel der Kinder beeinflussen und positiv Bestärken.
In der Dao-Schule wird im Kinder- und Jugendtraining sehr viel wert auf das Raufen gelegt. Wir wollen Kinder motivieren Körperkontakt als etwas Positives zu erfahren und sich im fairen Spiel zu messen. Dies dient einerseits der „Opfer-prävention“, weil die Teilnahme freiwillig ist und so jedes seine Grenzen vertreten darf und diese wahrgenommen und gehört werden. Andererseits auch der „Täter-prävention“ weil auch jedes Kind lernt die Grenzen der anderen zu respektieren und empathisch zu sein, weil das direkte Feedback von unkontrolliertem Krafteinsatz vorhanden ist.

Ich bin also der Meinung Raufen sollte den Kindern heute in unseren Breiten neu und richtig vermittelt werden.
So dass sie lernen aufeinander acht zu geben, Spaß zu haben (abseits von Handy und Internet), ihren Körper zu steuern, dass Verlieren wie Gewinnen dazu gehört und dass Entschuldigungen ausgesprochen und angenommen werden.
So stellen die wichtigsten Punkte für erfolgreiches Raufen der Spaß, ein klarer Start, sowie ein klares Stopp, einander nicht zu verletzten und das Einhalten der vereinbarten Regeln dar (s. EIGENSTÄNDIG WERDEN GEWALTPRÄVENTIONS-BUCH).

Zurück zur Schule.
Das Gefühl von Zwang kombiniert mit der falschen (nicht zum Begreifen gehörenden) Unterrichtsdidaktik und theoretischem Stoff, ohne direkt erkennbarem Nutzen, mit dem Leistungszwang des Bulimie-Paukens (viel und schnell lernen, alles bei Prüfungen wiedergeben und zwei Stunden später so gut wie nichts mehr wissen) führen zu Unverständnis des Lehrstoffes und in weiter Konsequenz zu Frustration und Aufgabe der Lernmotivation.
Zumal bei aufbauenden Lehrinhalten und raschem Voranschreiten im Stoff kaum Aufholmöglichkeit besteht und Frustration vorprogrammiert ist.

Und nun sind wir bei der Eigenverantwortung des Schülers.
Wie gesagt das Problem der Schul-Pflicht besteht im MÜSSEN. Der Schüler kann Eigenmotivation mitbringen. Dies liegt in seiner Verantwortung. Allerdings kann er auf Grund des Zwanges auch Auflehnung entwickeln, welche zwar wiederum in seine Verantwortung fällt, wenn diese allerdings eintrifft kann zum Begreifen gestalteter Unterricht die unmittelbare Nützlichkeit wieder vor den Zwang gestellt werden. Bei geistig bereits fortgeschrittenen Schülern können eigene Strategien entwickelt werden um diese Brücke selbst zu bauen.
Im Beispiel des Englisch-Unterrichts könnte dies, statt Vokabeltest, ein englischer Film sein oder ein selbst gespieltes Theaterstück.
In der Kampfkunst wäre es, die auf eine theoretische Erläuterung folgende Übung.
Das Problem des Zwangs kenne ich persönlich nur vom Kinder- und Jugendtraining, wenn Eltern ihre Kinder „zwingen“ (nahe legen dass es schon wirklich wichtig ist) zu uns zu kommen. Da hilft nur viel Spaß und praktische Nützlichkeit. Die meisten Schüler in unserer Schule sind jedoch freiwillig anwesend und wissen um die Nützlichkeit einer geistigen und körperlichen Anwesenheit.

In der Pflichtschule findet eine massive Vernachlässigung der Körperschulung statt (allerdings finden bereits viele Programme und Entwicklungen statt, die hier gegen arbeiten).
Normalerweise wird die Entwicklung des Verstandes und der neurologischen Leistung in größerem Maße gefordert und gefördert. Nur wer Wert darauf legt und selbst körperlich aktiv ist (und dies vorlebt) oder das Kind an oben genannten Maßnahmen Teil haben lässt, ermöglicht dem Kind einen tieferen Einblick in die Funktionsweise des Körpers und seiner feinstofflichen Verschränkungen.
Aber auch hier ist ein sozialer Fehler erblich. Denn die wenigsten Erwachsenen erreichen echte Bewusstheit für ihren Körper, seine Funktionen (geschweige denn wie sie Schritt für Schritt zu lernen wären) und somit auch über ihre Fehlhaltungen und technischen Ungenauigkeiten. Und somit der Wichtigkeit einer körperlichen Schulung.
(Wobei hier anzumerken wäre, dass viele Fehlhaltungen des Körpers sekundärer Natur sind. Sie entstehen aus Fehlhaltungen des Geistes. Aus Ängsten, Mangel und Schutz- oder Vermeidungsgedanken. Folglich erlangen die wenigsten Menschen echtes Wissen über sich selbst und eben so wenig über die Umwelt/das Außen.
Würden diese Fehlhaltungen korrigiert würden sie sich auch zunehmend ihrer Geistigen bewusst und könnten zu einem entspannteren und glücklicheren Sein vordringen.)

Nun genug zum Kinde. Es wird jugendlich, seine hormonelle und geschlechtsspezifische Entwicklung setzen ein. Schließlich wird es erwachsen und altert naturgemäß weiter.
Es ändern sich seine Bedürfnisse und Wertigkeiten. Der Platz in der Gesellschaft, seine Stellung in der Familie und seine körperliche Konstitution. Doch die Grundidee des Lernens am Tun bleibt dem Menschen erhalten. Ebenso wie die Fähigkeit sich durch (selbst)Erziehung zu ändern und Unerwünschtes/Schlechtes der Vergangenheit los zu lassen (ohne Wertung zu Betrachten).

Die Wege sind ebenso wie die einzelnen Individuen sehr verschieden und wohl kaum zu generalisieren.
Fest steht jedoch die Wege enden, wenn die Zeit gekommen ist und es ist egal wie der Weg beschritten wurde.
Der Tod wertet nicht.
Es variiert nur die persönliche Interpretation oder Erfahrung dessen was geschieht. Und was danach kommt vermag doch niemand mit Gewissheit zu sagen.

Da, wie bereits gesagt wurde, jeder gegangene Weg enden wird…
Wie sieht denn meine Vorstellung nach einem erstrebenswerteren Weg aus (im Angesicht der Bedeutungslosigkeit unseres Daseins für die Welt)?

Als kurzer Einschub sei hier noch einmal mein Dank ausgesprochen:
Es gab in der Geschichte der Menschheit schon einige Weise die sich Gedanken zu diesem Thema gemacht haben. Ich wandle in ihren Fußstapfen und kann wohl kaum einen Gedanken oder eine Ansicht in das Wesen der Menschheit gewinnen, welchen diese nicht schon hatten. Somit möchte ich allen die vor mir auf diesem Planeten wandelten danken.
Dank ihnen bin ich heute hier und vermag die Ideen zu fassen die sie bereits vor vielen Jahren hatten.

Es handelt sich im folgenden Text um Ideen und Werte die dem Einzelnen als Maßstab zum Handeln und Leben dienen können. Es sind Erkenntnisse die meinem Training und meiner Schulung entspringen. Sicher ergänzungswürdig und ausbaufähig. Doch sind es tieferliegend die Attribute nach denen zu streben und/oder zu leben, meiner Meinung nach, einen Meister aus macht.

Meines Erachtens nach sind die wichtigsten Eckpfeiler des Mensch-seins, dass wir uns unserer Unbedeutsamkeit als Individuum für die Welt bewusst werden, aber gleichzeitig auch dessen, dass wir WIR sind, was (bei zunehmender Bevölkerungsdichte) dann schon wieder von Bedeutung ist.
Wir sind viele Menschen auf diesem Planeten, wir wollen gesund sein, uns das Leben leichter machen und streben nach mehr Komfort, Wissen, Bedeutsamkeit, Wertigkeit, Zugehörigkeit, Achtung und Sicherheit.
Doch sollten wir uns bewusst werden, dass Wir zum Wohle des Ganzen handeln und somit einen Teil unserer Eigentümlichkeit ablegen müssen (um nicht wie die Hasenplage auf einer Insel an zu wenig Futter zu sterben).
Jeder Mensch ist in jeder Minute seines Lebens verantwortlich, das Beste aus sich zu machen, für seine Mitmenschen und die Umwelt. Daraus kann ein erfülltes Leben erwachsen.

Aber was tun, wenn ich mich nicht motivieren kann? Gestresst bin? Rastlos und Unzufrieden?
Lerne Achtsamkeit.
Achte auf Dinge die dich erfreuen im Alltag. Nimm dir Zeit auf dich zu schauen und Zeit deine Mitte und Ausgeglichenheit wieder zu finden oder zu erneuern.
„Nur, wenn es mir gut geht kann ich für andere da sein…“ –Sifu Günther

Die Welt ist wie du sie siehts, weil du es bist der/die von Innen nach außen blickt. Du kannst in der Welt nur sehen was du sehen kannst (einfachstes Beispiel: versuch mal UV zu sehen…) und was sich in dir wiederspiegelt.

Wenn du am Morgen aufwachst beobachte deine Gedanken. Denkst du an den faden oder stressigen Tag der dir bevorsteht oder erfreust du dich daran am Leben zu sein, mit deinem Job dein Leben zu finanzieren (oder einen erfüllenden Beruf zu haben) und deine Freizeit zu genießen?
Versuche das Positive in deinem Leben hervor zu heben!
Jeder Mensch und jede Situation hat positive wie negative Seiten und Eigenschaften (sogar Eigenschaften können vom Kontext abhängig positiv oder negativ gewertet werden). So ist das Leben. Doch wer sich zu sehr auf die Negativen konzentriert wird unglücklich, sorg- und leidvoll.

Genügsamkeit.
Damit einhergehend die Zufriedenheit. Ich kann mir ins Bewusstsein holen:
– Was Brauche ich wirklich um glücklich zu sein?
– Was will ich haben, um mir Gutes zu tun?
– Was will ich haben, weil ich denke es muss so sein?
– Was „muss“ bei meinem Lebensstil/Beruf/Wohnort sein?
Und versuchen unnötige oder sinnlose Wünsche und Gegenstände zu ermitteln. Dinge die ich besitze und nicht brauche verschenken, verkaufen oder wegschmeißen. Ich kann meine Finanzen „bessern“ wenn ich nicht alles kaufen muss. Und somit unnötigen Stress reduzieren.

Entspannung.
Ich versuche mir öfter selbst etwas Gutes zu tun und zu entspannen. Meditieren, Baden, Schlafen,… es gibt unzählige Möglichkeiten die für jeden anders gut funktionieren.
Ich erlerne besser auf mich zu hören. Was mein Körper oder mein Geist gerade braucht. Gleichzeitig finde ich zu mir und kann dadurch besser auf meine Umwelt eingehen, anderen zuhören und aufmerksam sein.

Vertrauen.
Ich kann lernen in das Leben zu vertrauen. Alles geht weiter, egal wie gut oder schlecht es uns scheinbar geht.

Chinesische Geschichte vom Bauern und seinem Pferd:
Eine alte chinesische Geschichte erzählt von einem Bauern in einem armen Dorf. Er galt als reich, denn er besaß ein Pferd, mit dem er pflügte und Lasten beförderte.
Eines Tages lief ihm sein Pferd davon. Seine Nachbarn riefen, wie schrecklich das sei, aber der Bauer meinte nur: „Vielleicht.“
Ein paar Tage später kehrte das Pferd zurück und brachte zwei Wildpferde mit. Die Nachbarn freuten sich alle über sein günstiges Geschick, aber der Bauer antwortete erneut: „Vielleicht.“
Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bauern, eines der Wildpferde zu reiten. Das Pferd warf ihn ab und er brach sich beide Beine. Die Nachbarn bekundeten ihm alle ihr Mitgefühl für dieses Missgeschick, aber vom Bauer hörten sie wieder nur ein: „Vielleicht.“
In der nächsten Woche kamen Rekrutierungsoffiziere ins Dorf, um die jungen Männer zur Armee zu holen. Ein Krieg mit dem Nachbarkönigsreich bahnte sich an. Den Sohn des Bauern wollten sie nicht, weil seine Beine gebrochen waren.
Als die Nachbarn ihm sagten, was für ein Glück er hat, antwortete der Bauer: „Vielleicht.“
„http://www.zeitblueten.com/news/der-bauer-und-das-pferd/“

Wurstigkeit.
Die Zeit vergeht. Mit mir auf diesem Planeten und ohne mich. Was will ich also wirklich mit meiner Zeit anfangen und wo stresse ich mich komplett umsonst? Ist es notwendig für „Freunde“ Zeit zu opfern nur dass sie nicht schlecht von einem Denken oder können mir manche Menschen und Meinungen egal sein?

Spaß.
Finde etwas was spaß macht und nimm dir Zeit dafür 😉

Das Lernen lernen

Wir alle sind physiologisch so veranlagt, dass unsere Nerven sich bis zu unserem Tod neu bilden und verknüpfen.
Demnach lernen wir unser Leben lang nicht aus.
Wir können diese Fähigkeit nun verkümmern lassen oder fördern. Indem wir uns zurückziehen in Angst und Ausreden oder uns bemühen Neues zu lernen und aus zu probieren (wie zB. das Positive zu sehen) und offen mit Unbekanntem umzugehen. (In dem Sinn: Mal sehen was da kommt, wenn es nicht das ist was ich mag, lass ich es, ändere es oder wehre mich dagegen)
Ob dies nun das Erlernen einer nicht-Muttersprache oder einer neuen Bewegungsform ist, hat keine Relevanz für das Lernen der betreffenden Person an sich.
In beiden Fällen ist die richtige geistige Einstellung zum leichteren erlernen notwendig. Ich spreche von Interesse (welches mit Willen zum Lernen einhergeht), Aufmerksamkeit und Fehlertoleranz.

In der Kampfkunst wird vorausgesetzt, dass ein Schüler aufgrund von Eigenmotivation und Interesse das Dao Kwoon (Trainingsraum) betritt.
Die körperliche Schulung erfolgt Schritt für Schritt. Mangelndes Bewegungsbewusstsein wird erst grob und dann immer feiner neu aufgebaut. So dass mit zunehmender Unterrichtsanwesenheit das Gespür für den Körper und auch die Partner in verschieden Übungen feiner wird. (Natürlich ist das Einstellen auf verschiedene Partner auch eine soziale Übungsaufgabe und der Schüler lernt allen Menschen gleichwertig zu begegnen.)

Dass eine (für den Fortgeschrittenen einfache) Übung anfangs als ungelenk, unpassend oder schlichtweg unmöglich wahrgenommen wird ist normal. Es handelt sich um einen Lernprozess der mit der Funktion der Zeit behaftet ist und sich mit zunehmender Wiederholungsfrequenz, der selben Übung, „bessert“.

Ich denke es gibt grundlegende Ideen die helfen mit dieser Schwierigkeit um zu gehen.

Wir haben es bereits besprochen, das kindliche Lernen.
Wir setzen nicht voraus irgendetwas zu können und gehen dem neuen Tun ohne Vorstellung entgegen. Wir lassen Fehler zu und versuchen beim nächsten Ansatz es besser zu machen.
Warum nicht diese Grundidee für alles was es neu zu lernen gilt umsetzen.
„Ich kann nicht malen, ich habe kein Talent dazu…“ habe ich von diversen Menschen, die ich unabhängig von einander in meinem Leben traf, gehört.
Ja klar sie können keinen Klimt oder van Gogh nachmalen. Doch das kann niemand. Sie konnten alle einen Stift oder eine Kreide halten und ein Strichmännchen zu Papier bringen. Was ihnen fehlte war die Übung und die Überzeugung dessen dass es für sie „nur“ daran mangelte.

Eine weitere Eigenschaft die in unserer Zeit gerade nicht gefördert wird ist die Geduld.
Auch die Neuronen unseres Gehirns brauchen Zeit sich zu verschalten. Und je öfter etwas wiederholt wird umso leichter geht der Stromfluss und umso leichter fällt uns die neue Materie, die nun zu einem Teil von uns geworden ist und somit nicht mehr zu „Neu“ zählt, um zu setzen.
Somit schließt sich der Kreis zum positives-Sehen. Ich kann immer nur darauf schauen was ich nicht kann, oder aber ich richte meinen Blick darauf was ich schon gelernt habe und bereits kann.

Gerade als Lehrer sollte anfangs die Waage aus Fördern (was schon alles da ist hervorheben) und Fordern (da ist noch zu verbessern)
gehalten werden.
Dies gibt dem Schüler Erfolgserlebnisse und regt sein Hirn an andere Bahnen zu verwenden (Selbstbewusstsein stärken).
Und aus dem Fordern ergibt sich das Lernen der Demut. Der Schüler erkennt dass der Lehrer fortgeschritten (geübter) ist und lernt seinen Verbesserungsvorschlägen zu vertrauen.

Wir lernen nie aus.
Doch lernen zu wollen ist entscheidend.
Dann wird es nebensächlich wie wir damit umgehen etwas nicht zu können, wir verschwenden dann keine Zeit darauf darüber nach zu Denken.
An dieser Stelle wird ein weiterer Mangel unserer heutigen Zeit ersichtlich, die Zielstrebigkeit. Können wir ein Ziel auf direktem Weg nicht erreichen, suchen wir ein neues Ziel.
Anstelle von dieser Idee könnten wir auch das Beste aus den Schwierigkeiten machen die im Weg stehen. Wenn es geistige Einstellungen sind, die uns nicht weiter bringen: Könne wir sie überdenken und ablegen. Wenn es äußere Gegebenheit sind: Sie belassen und akzeptieren, ändern oder verlassen.

Dies entspricht auch den Tugenden die der Dailai Lama für einen wahrhaften Weg voraus setzt:
Entschlossenheit – Anstrengung – Fleiß
(Um sie noch einmal in meine Worte zu fassen:
Ich will – ich bemühe mich – ich tue)

Diese Drei bedingen sich gegenseitig und sollten im Gleichgewicht gehalten werden.
Denn die Schwierigkeit kann auch darin liegen, eines zu vernachlässigen oder über zu strapazieren.
Die Chinesen bezeichnen das Halten des Gleichgewichts als Maß und Mitte „Zhōng Yōng“. Ein zu viel ist genau so schädlich wie ein zu wenig.
Mit zu wenig Entschlossenheit werden die Schüler dem Unterricht nicht Teil haben.
Bei zu wenig Anstrengung mangelt es an echter Motivation und Interesse sich die Fähigkeit zu erarbeiten.
Und wenn der Fleiß zu wenig ist, findet kaum (also nur sehr geringes) Wachstum in dieser Richtung statt.

Wenn ein Schüler also motiviert, interessiert und entschlossen ist sich weiter zu entwickeln, wird er nach einem Lehrer Ausschau halten der ihm die gewünschten Inhalte vermitteln kann, oder es auf eigene Faust versuchen (er wird auf diesem Wege auch Erfolg haben, wahrscheinlich aber länger brauchen).
Wenn er/sie einen solchen Lehrer gefunden hat, wird vom Schüler die Persönlichkeit gefordert.
Nehmen wir die Kampfkunst wieder als Vergleichsbasis.
Der Lehrer ist eine Person die in ihr Körperverständnis mehr Zeit investiert hat, also jemand der seinen Körper besser ansteuern und der die Übungsinhalte vermitteln kann. Der Schüler muss sich also lernen unter zu ordnen und Respekt zu zollen.

Mit der Zeit findet der Schüler in seinen Körper und hat die ersten Erfolgsmomente, die ihm Spaß machen und seinen (unruhigen) Geist besänftigen.
Ein guter Lehrer der sich für den Schüler (und/oder den Aufbau der Übung) Zeit nimmt, lässt den Schüler an der Übung lernen ohne ihn zu viel zu verbessern, aber ihn dennoch mit den wichtigsten Fokuspunkten im Hinterkopf zu korrigieren. Er gibt zur rechten Zeit Hinweise und lässt den Schüler am Tun erfahren. Auch wenn dies für den Schüler bedeuten mag, dass er Stunden mit der selben Übung verbringt (wodurch er sie verinnerlicht).

Der Schüler wird den Lehrer respektieren lernen und so gemeinsam mit ihm an etwas arbeiten was sie beide größer macht.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Zusammenleben ist die Klarstellung der Worte.
So war schon Konfuzius der Überzeugung:
„Am Anfang allen Leitens steht für Konfuzius – selbst für seine Anhänger überraschend – das „Berichtigen der Namen“ (zheng ming), die Klarstellung der Begriffe. Regieren beginnt mir dem Durchforsten der Sprache, dem Aufspühren von Worten, deren Bedeutung unklar und verworren ist und die deshalb zu Irrtümern führen oder die einen Sachverhalt verschleiern, beschönigen, verharmlosen, verdrehen, ins Gegenteil verkehren und damit Lüge und Heuchelei Vorschub leisten (–…). Eine „unsauber“ Sprache stiftet Verwirrung, schafft Unordnung und gefährdet das Miteinander der Menschen (…) die Dinge beim Namen zu nennen, ist der Anfang von allem.“
So füge ich an dieser Stelle ein, dass es für das miteinander in der Familie oder anderen sozialen Gefügen hilfreich und von enormer Wichtigkeit ist seine Wünsche und Bedürfnisse klar und deutlich zu formulieren. So wird das eigene Wohlergehen bewahrt und jeder weiß über den anderen bescheid.
Um in der Kampfkunst zu bleiben, hier ist dies ebenso wichtig. Damit Sachverhalte richtig geklärt werden und Ideen zur Übung richtig vermittelt werden.

Um die Verbindung zu sich selbst wieder her zu stellen die (vielleicht/vielleicht auch nicht) im Laufe der Zeit verloren gegangen ist bedarf es einem großen Maß an Energie und dem richtigen Input an Material für die Selbsterziehung.
Niemand kann seine Vergangenheit ändern und wir alle haben Dinge erlebt die uns geprägt haben, doch wie viel sie uns beeinflussen und beeinträchtigen liegt an unserer Anschauungsweise. Wir haben alle genau so viele schöne und positive Dinge erlebt. Und auch hier wenn nicht, wollen wir dann den Rest unserer Existenz in diesem Zustand weiter leben? Die Zeit verrinnt so wie so. Und jetzt ist der Augenblick in dem sich Dinge (wie unsere Anschauung) ändern lassen. Blick auf deine Finger oder in dein Inneres und sei Dankbar da zu sein, spür die Ruhe in dir und dein zeitloses Wesen und du wirst mit der Zeit erkennen dass Leben schön und grausam gleichermaßen ist.

Zusammenfassend sei nun gesagt:

Leben ist endlich.
Egal wie dein Weg bisher war, du hast jetzt die Möglichkeit das Gute zu sehen und dich bewusst dafür zu entscheiden.
In dir liegt die Macht an dir zu ändern was dir nicht gut tut.
Besser gesagt: Blicke auf das Positive in deinem Leben und an und in dir.
Leben ist lernen und wir sind nicht mit der Fähigkeit geboren absolut Unabhängig und voll „Aus-gebildet“ zu sein.
Wenn wir für die Gemeinschaft arbeiten finden wir mehr Erfüllung als wenn wir für uns selbst oder unsere Vorstellungen arbeiten.

Kampfkunst und Bewegungsbewusstsein fördert die Fähigkeit bei mir selbst zu bleiben und mich zu erkennen sowie, andere anders sein zu lassen und auch ihre Weltsicht gelten zu lassen.
Mich ausdücken zu können im körperlichen, geistigen und den Ideen die dahinter stehen.
Ebenso lerne ich mich selbst zu schätzen und zu lieben. Daraus ergibt sich auch eine Dankbarkeit allem Leben gegenüber.

So sei an dieser Stelle ein weiteres Mal mein Dank angebracht.
Meiner Familie, die mich unterstützt
Meinem Sifu, der mich sehen lässt
Meinem Selbst, das mich fordert, motiviert und lieben lässt
Der Welt, die mich trägt…

Literatur:

Miyamoto Musashi; Fünf Ringe, Die Kunst des Samurai-Schwertweges; 1645

Dan Millman; Der Pfad des friedvollen Kriegers; 1980

Die Erziehung des indigenen Volkes der Yequana; Weis Joyce; http://www.lem.lu/memoires/2014_weis_joyce.pdf

Moshé Feldenkrais; Die Entdeckung des Selbstverständlichen; 1987

dtv; I Qing, Das Buch der Wandlungen; 2005

Rick Hanson; Denken wie ein Buddha

GEWALT-PRÄVENTIONS-BUCH; Raderbauer Armin, Eigenstängig Werden
Diversität und Identität; Hanns-Stephan Haas
Video:
Vera F. Birkenbihl:
https://www.youtube.com/watch?v=6B7-OfLOgPI

Besonderer Dank gilt:
Unzählige Stunden an Gesprächen mit Sifu
Meinen Beobachtungskindern Eva, Max, Noah
Den Schülern der Dao-Schule-Tirol

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