Beispielhafte Unterrichtsmethodik anhand von „Malen lernen“ bei Kindern – aus 2017

April 16, 2020 Günther Plank

Ausgehend von der Grundidee meinen Schülern eine möglichst breite Palette an Lernmöglichkeiten zu geben, diversen Vorträgen von Gerald Hüther und nicht zuletzt der Begeisterung der eigenen Kinder aktuell am Ausmalen von (durchwegs schwierigen) Mandalas und Ausmalbildern haben sich folgende Gedankengänge bei mir ausgebildet:

Wenn Kinder zuerst „mit dem ganzen Körper“ malen, später zu den Strichmännchen und –zeichnungen übergehen um dann eine Phase von „Ausmalbildern“ zu durchlaufen bevor es ans „Abmalen“ und dann frei malen geht – ist sowas nicht auch auf das Lernen (von Kampfkunst) übertragbar?

Am Anfang stehen die „Ganzkörperübungen“ (Basisflow, Zhangzhuan, div. Formen und Bewegungsmuster), welche noch weit weg von irgendwelchen Anwendbarkeiten stehen – der Schüler lernt seinen Körper kennen, seine Körpergrenzen und gewisse Bewegungsmuster kennen – daraus kann weder abstrakte Kunst, noch irgendein Stilleben erkannt werden.

Über diese Stufe hinaus gibt es dann gewisse „Vorgaben“, wie eben zBsp. „Mal einen Baum“ – und mit viel Fantasie kann man einen Baum erkennen. Ein Strich hier, ein Strich da und dort… Dies ist für mich die Stufe der sogenannten „Selbstverteidigungs-Aktionen“. So wie sie ausgeführt werden weit weg von Kampfkunst, aber durchaus schon erkennbare Funktionalität, Freude daran, dass etwas „klappt“, also ein Schritt in die richtige Richtung.

Dann kommt aber interessanterweise die Zeit, in der die „eigenen“ Zeichnungen der Kinder weniger werden und Vorlagen ausgemalt werden. Eventuell deshalb, weil man mit den „Eigenkreationen“ nicht zufrieden ist (oder gesagt bekommt dass sie „nicht schön“ seien) – auf alle Fälle sollen dann Vorlagen her, welche farbig ausgefüllt werden. Auch hier wird natürlich anfänglich überall drüber hinausgemalen, aber mit der Zeit entwickelt sich ein besseres Gefühl für die Grenzen (wie auch in den Formen, bei Koordinationsübungen usw.).
Also Kreativität im Rahmen quasi – welche Flächen mit welchen Farben ausgemalen werden ist beliebig, gut ausschauen tut es meist so oder so.

• Dem Gegenüber gibt es die Möglichkeiten des „Malen nach Zahlen“ bzw. „Malen nach Farben“, welche ähnliche Wege gehen – entsprechend eines vorgegebenen Rahmens entweder die Zahlen von 1 bis x nachfahren und es gibt ein Bild, oder alles mit den gleichen Zahlen in den gleichen Farben ausmalen und es gibt ein Bild; Also auch hier: vorgegebene Rahmenbedingungen mit der Möglichkeit „bedingter Kreativität“.

So ungefähr sehen meine Beispiele im Kampfkunstunterricht aus: Ich zeige gewisse Bewegungsmuster vor (zum Beispiel: gerader Angriff kommt – Keilförmig vorschieben, mit der inneren Hand außen Kontakt aufnehmen, aus der Angriffslinie hinausgehen, den Angriff gerade weiterbegleiten und mit der anderen Seite den Gegner treffen) und die Schüler erarbeiten sich innerhalb dieser Rahmenvorgaben für sie passende Ansätze: wo nun der Trainingspartner getroffen wird hängt vom Größenverhältnis der Partner zueinandern, dem Kräfteverhältnis, aber auch von innerer Einstellung und Durchsetzungsvermögen ab. Natürlich könnte ich exakt vorgeben wie es auszuschauen hat – aber damit nehme ich dem Schüler die Möglichkeit „selbst zu spielen“ und gebe die Illusion von „diese Aktion passt“ vor – was aber eben nicht immer stimmt; Die Aktion von mir passiert eben genau deshalb so, weil die Konstellation der Trainingspartner nun genau so war – wäre sie auch nur etwas anders würde die Antwort auch entsprechend anders ausfallen; Was ich meinen Schülern damit also beibringen will, ist einerseits eine grundlegende Vorgangsweise welche gegen solche Angriffe möglich ist (andere Varianten folgen dann enstprechend in den nächsten Wochen wenn diese Variante halbwegs „sitzt“), andererseits aber gleichzeitig die Kreativität und Eigenverantwortung nicht nur mich zu kopieren, sondern auch selber probieren was für sie funktioniert (und was eben nicht) – und, dass es immer auf die Situation darauf ankommt.
Natürlich gibt es (nach anfänglichem „Alleinstudium mit den Partnern“) dann den ein oder anderen Hinweis was sich für mich in dieser Konstellation anbieten würde, und auch gleich die Überleitung zu ähnlichen Bewegungsmustern aus anderen Übungsbereichen (sei es Waffentraining oder Qigong Elementen) – um auch hier klar zu machen, dass alles einander verstärkt.

Mein Ziel ist es, dass meine Schüler das Rüstzeug bekommen um selbständige Maler zu werden – ob dies dann im Bereich von Aquarellen, Bleistiftzeichnungen, Ölfarben oder was auch immer passiert liegt nicht an mir zu entscheiden; sehr wohl aber liegt es an mir diese verschiedenen Möglichkeiten aufzuzeigen.
Oder um es auf die Grundidee des menschlichen Gehirnes nach Hüther zu übertragen: ich versuche möglichst viele Verknüpfungsmöglichkeiten anzubieten. Aus welchen dann Datenautobahnen werden und welche verkümmern liegt allein daran, welche benutzt werden. Wenn ich allerdings nur eine Möglichkeit anbiete wird diese wohl oder übel die Datenautobahn werden und „funktionieren“ – die Wahrscheinlichkeit, dass sie für alle unterschiedlichen Schüler aber „die Richtige“ ist kann sich jeder selber ausrechnen 😉